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Aufnahmeprüfungen? Ja gerne! oder: Bildung Backstage

Die letzten Wochen ging es ja hoch her im Bildungssektor.
Verschiedenste Artikel zu diversen Pressemeldungen wurden auf dem ÖH – Boku Facebook Account gepostet.

Ausschnitte des Geschehens im Kurzdurchlauf:

Bundesministerin Karl will Studierende weg von Massenfächern bringen

Rektorenchef will Ja zu Studiengebühren

BOKU befürchtet radikalste einschnitte und bangt um Liquidität

Der Bericht des Hochschuldialoges wurde präsentiert

Die neue Mittelschule wurde diskutiert

Rektoren steigen wegen Sparkurs auf die Barrikaden

Die Bundes ÖH droht mit neuen Protesten

Mysteriöse Erhebung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung gelangte an die Öffentlichkeit

Befragung: 81% der ÖsterreicherInnen für Zugangsbeschränkungen

WU – konzentriert sich auf „Leistungswillige“

Zeit, kurz inne zu halten… zu reflektieren und darüber nachzudenken, was denn hier passiert ist. Man könnte über jeden der oben genannten Punkte in aller Ausführlichkeit diskutieren. Doch wollen wir unseren Blick nun einmal auf ein Gesamtbild der Situation richten…

Ah ja – genau, da war doch noch was. Die Wirtschaftskrise. Das Schreckgespenst, das uns die letzten zwei Jahre hindurch verfolgt hat. Hier müssen wir leider ein wenig weiter ausholen, um die Zusammenhänge mit der Bildung in unserem Lande zu sehen. Kapitalmärkte sind am Boden bzw. „blasen“ sich auf, Staaten müssen mit Summen gerettet werden, die niemand aufbringen kann, außer durch neue Verschuldungen „vertrauenswürdigerer“ bzw. finanziell besser gestellter Staaten.

Schon ein wenig ungeheuerlich das Ganze, oder? Zumindest ist die Politik doch sehr in Erklärungsnotstand gekommen. Systemerhalt sei nun das wichtigste, wenn man so will. Priorität hat in dieser Zeit das Geld und das System, welches Geld auch zu dem macht, was es ist.
Das ist vielleicht auch gut so, zumindest ist es ist ja das weltweite Tauschmittel schlechthin. Ohne Geld als Tauschmittel würden wir jetzt wahrscheinlich schon ein wenig überfordert in unseren Kühlschrank schauen müssen. Ob nun die freie Marktwirtschaft förderlich ist oder ob andere Systeme besser wären sei dahingestellt. Wir leben jetzt nun einmal in diesem System und irgendwie müssen wir damit halt lernen damit auch umzugehen. Wenn Geld und das System, in dem sich das Ganze abspielt, eine so hohe Priorität haben, muss man sich auf jeden Fall die ganze Sache etwas genauer anschauen. Was steckt denn hinter diesem Geld, diesem in fast alles umtauschbare Mittel tatsächlich? Kurz nachgedacht… Vertrauen! Nichts als Vertrauen. Ich vertraue darauf, dass wenn ich für meine Arbeit Geld bekomme, ich auch Waren, Dienstleistungen usw. dafür eintauschen kann. Das ist im Kleinen nicht anders als im Großen. Pervers wird das Ganze dann ziemlich schnell auf dem Kapitalmarkt. Da darf gehörig spekuliert werden. Weltcasino halt.

Wer nun aber gibt solch ein Vertrauen? Zum Beispiel Rating-Agenturen und recht gut bezahlte Börsenspekulanten, die mit Ihrer Willkür Griechenland fast in den Ruin getrieben hätte. Es ist die Gesamtheit der Stimmung auf dem Weltmarkt, die Vertrauen oder eben Misstrauen schafft. Ein sehr gebrechliches Gebilde, wie wir erfahren mussten.

Wenn nun ein Staat wie Österreich daherkommt und außer ein paar lächerlichen Ölfeldern im Marchfeld über keinerlei Mittel verfügt als fleißige, kluge Köpfe und Kultur… dann wird es rational gesehen… sagen wir mal…haarig. Österreich verkauft sich gut, wie unlängst auf der Expo in Shanghai. Große Werte wurden zelebriert unter anderem auch die verschiedenen Trachtengruppen der Regionen, Mozart und unsere spezialisierten, einzigartigen Unternehmen, die sich durch Ehrgeiz und Raffinesse auszeichnen. In letzte Zeit ist auch die Forschung so richtig angesprungen. Gut so! Es geht uns gut. Und darum vertrauen uns die anderen auch. Naja, zum Teil zumindest.

Kurz gesagt: Österreich verkauft sein Know-How und seine Kultur. Gut. Doch wo kommen denn die ganzen klugen Köpfe her? Ahja – richtig! Von den Schulen und den Universitäten. Darf man das heute noch sagen? Universität? Zum Feindbild eines stotternden Wirtschaftsmotors geworden, diese Universitäten. Jeder kann dort nämlich machen was, wie lange und wie oft er will. Und der Staat zahlt auch noch kräftig. Ineffizienz zur Potenz. Nichts da – aus die Maus, soweit kommt’s noch!
Ein reflexartiges Verhalten, nun auch von unserem sehr geehrten Herrn Bundespräsidenten unterstützt. Eine halbe Milliarde Euro für den Verbund, der es leider nicht so ganz geschafft hat, sich das Geld auf die Seite legen zu können? Kein Problem, wie uns Herr Pröll am nächsten Tag versichert hat. Das Geld ist da, kein Thema! Darf Einen schon wundern so was. Vor allem, weil der Bund auch Millionen für Grundlagenforschung ausgeben musste.

In der Aussendung des Rektorates vom 1. Juli diesen Jahres wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Universitäten (inkl. der Boku) ab 2013 keine Erhöhung mehr ihrer Budgetären Mittel zugesprochen bekommen. Wirtschaftskrise, so die Erklärung seitens des Ministeriums. Was dies für die BOKU heißt, erklärt Rektor Martin Gerzabek in einer Aussendung. Um es kurz und unüberspitzt auszudrücken: Eine K.O. – Erklärung für Forschung und Lehre.

Österreich schafft es leider sich den eigenen Ast abzusägen. In anderen Ländern der EU werden eben gerade in Krisenzeiten bis zu 20 Milliarden Euro zusätzlich für Bildung und Forschung ausgeben. Hierzulande wird effektiv gekürzt. Und das, obwohl wir bezüglich Ausgaben für Bildung sowieso schon weit unter dem OSCE Durchschnitt liegen. Ausreden, um nicht zumindest 2% des BIP für Bildung ausgeben zu müssen, gibt es vielfach: Der freie Hochschulzugang, der uns bis heute nur genützt hat, keine Studiengebühren und nicht für das Studium qualifizierte und nicht engagierte Studenten sind recht schnell als das entlarvt, was sie sind. Ausreden.

Nicht, dass es nicht Verbesserungspotential gäbe. Wie überall gibt es das. Wie jedes System verbessert werden kann, so muss auch hier darüber nachgedacht und gehandelt werden. Jedoch haben Werte wie Bildung und Ausbildung in diesem Lande nicht den Stellenwert den sie haben müss(t)en.

Unser Vorschlag: Qualitative Aufnahmeprüfungen für Politiker in Entscheidungspositionen!

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