Wer war noch heiser letzten Mittwoch? Wer war dabei beim Aktionstag vor jetzt genau einer Woche und hat auf der Demo die altbekannten Parolen mitgebrüllt?
UNSER TRAKTOR und UNSERE BLASMUSIK und diese unglaublichen Menschenmassen – hauptsächlich Studierende, aber schon auch einiges an wissenschaftlichem Personal und Mitglieder diverser Gremien – haben die Protestaktion zu einem tollen Erlebnis gemacht. Aber warum haben wir das gemacht, was hat es gebracht, und was passiert jetzt?
In vielen Berichten zu den Protesten wird es so dargestellt, als ob wiederholt würde, was schon vor einem Jahr geschehen ist. Dieselben Sprüche, dieselben „linken Chaoten und Berufsdemonstranten“ (wer diverse Kommentare zu den Artikeln in Online-Medien liest, stößt da auf interessante, in Blödheit und Voreingenommenheit unbegrenzte Ergüsse) und schon wieder Audimax-Besetzung.
Es gibt aber ein paar Unterschiede zu letztem Jahr. Diesmal war die Vollversammlung vom Rektorat einberufen. Es gab viel regeren Zulauf auf der Boku. Und auch die Gründe für die Demo – wogegen wir protestiert haben – haben sich entwickelt: Es stehen drastische Budgetkürzungen ins Haus. Darum gings also:
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/601457/index.do?from=simarchiv
Gegen Kürzungen, für mehr Geld.
Die Rektoren haben im Mai einen Termin bei den Herren Kanzlern verlangt und sollen nun am 22. November – NACH dem Ende der Budgetverhandlungen – einen bekommen. Ja, so verfährt wohl jeder unhöfliche Mensch mit jemandem, der eh nichts Wichtiges macht und der einem eigentlich egal ist.
Anmerkung: Bundespräsident Heinz Fischer wird sich schon morgen, Mittwoch, mit Vertretern von Unis und Wissenschaft treffen. Siehe:
Klar, gegen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren waren die Proteste auch gerichtet, aber das sind Aspekte eines Problems. (Siehe: Eier legende Wollmilchsau)
Wir fordern nun also mehr Geld für die Unis. Erstens: Jetzt gleich – schon mal bis 2011 – weil wir es nämlich blutig notwendig haben. Und schon gar keine Kürzungen, sondern die versprochenen, (auch am Dienstag) vielbesungenen und nie erhaltenen 2 % des BIP.
Wogegen? Wofür?
Wir haben protestiert letzte Woche, oder beschlossen nicht zu protestieren, oder es schlichtweg verpasst. Aber was geschieht jetzt? Finanzminister Josef Pröll bietet mehr Geld, aber nur gegen Einführung von Zugangsbeschränkungen und mehr Transparenz (die Floskel muss einfach in jeder Debatte fallen – was wollt ihr wirklich? Als ob ihr dann wirklich nachschauen würdet, was wir machen und wie die Unis sich durchkämpfen), und zweitens ist es bisher kaum herauszukriegen, wie viel wir bekommen würden/wie viel doch nicht gestrichen wird. Es bleibt also spannend.
Schon um so weiter zu machen, wie es jetzt läuft, wird’s nach Kürzungen kaum/absolut nicht mehr reichen. Wir kämpfen also FÜR das nackte Überleben unseres Unibetriebs. Und erst darüber hinaus für durchaus notwendige Verbesserungen.
http://derstandard.at/1287099606554/Unifinanzierung-Pseudo-Bekenntnis
http://derstandard.at/1287099327607/Weltklasse-bei-der-Brueskierung-der-Unis
Nur weil es lustig ist, dass dort drei unserer Plakate zitiert werden, die Kommentare noch weher tun als die sonst an so mancher Stelle (Presse ist da auch nicht schlecht), und weil es nur ein „zustimmen“- und kein „das ist Schwachsinn“-Button auf dieser Seite gibt.
Dahin geht’s, wenn Bildung abgeschafft wird.
Die Eier legende Wollmilchsau
- das wäre jenes Hochschulsystem, das frei zugänglich, gebührenfrei und für den Staat billig ist. Irgendwo hauts nicht hin. Das ist genauso unmöglich wie gleichzeitig mit viel Gepäck, angenehm und billig zu reisen. So klar, wie wir keine Gebühren zahlen wollen und studieren, was uns interessiert, will der Staat mal als erste Reaktion lieber weniger als mehr zahlen für etwas, dessen Nutzen er nicht sieht.
Dass es keinen Sinn macht, jemanden dazu zu zwingen, etwas zu machen, das er nicht will, ist zumindest noch bis zu einem gewissen Grad selbstverständlich. Dass wir nicht davon abgehalten werden sollen, das zu studieren, was uns interessiert und was uns liegt, ist scheinbar schon nicht mehr für jeden so klar. Dass jemand dafür zahlen muss, ist auch klar. Die Frage ist nur: Wer?
- Wir Studenten, in Form von Studiengebühren?
Laut einer im September herausgegebenen Umfrage sind jetzt mehr als zwei Drittel der Österreicher für Studiengebühren. Die meisten, die so gestimmt haben, müssen diese vermutlich nicht zahlen.
Zugegeben, im Vergleich zu dem, was Studenten in manchen anderen Ländern berappen, wäre es lächerlich, sich über die knapp 730 Euro zu beschweren, die wir zu zahlen haben/hätten, wenn – ja wenn – wir davon auch etwas hätten. Denn: Hat sich seit Einführung der Studiengebühren (es gibt sie ja, nur müssen viele von uns nicht zahlen) die Situation an den Unis verbessert? Fragt die UBRM-Erstsemestrigen.
Ein Blick auf die Zahlen, was wir so kosten, macht klar: Das geht sich sowieso nicht aus. Studenten schwimmen klassischerweise ja eher nicht in Geld. Alles, was wir zu zahlen in der Lage wären, wäre ein Tropfen auf den heißen Stein.
Wrong answer, try again.
Also, wer soll zahlen?
- Absolventen? Dann, wenn sie es sich leisten können? Das steht noch zur Diskussion.
Die Bezeichnung „Reichensteuer“ passt hier aber nicht – das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Eher denkbar wäre ein Modell vergleichbar damit, wie in Deutschland die Bafög (Bundesausbildungsförderung, wie bei uns Kinder- und Familienbeihilfe) zurückgezahlt wird. Wir würden halt nicht Geld zurückzahlen, das wir erhalten haben, sondern Studiengebühren nachträglich und in Raten. Wenn wir fertig studiert haben (was auch immer das heißen mag, wie war das mit „lebenslangem Lernen“?), und dann auch was verdienen, wohlgemerkt.
- Die Wirtschaft? Wird nur finanzieren, was sie auch interessiert.
Drittmittel sind ja super, aber wir müssen auch was dafür tun, es sollte noch Zeit für die Lehre bleiben, technisch mögliche Einbringung daher begrenzt – laut Studien auf 35 %, und da stehen wir schon.
- Der Staat, mit Geldern aus woher auch immer? Nona.
Wir arbeiten dann ja für euch. Außer, ihr habt es endgültig geschafft, die Bedingungen so unmöglich zu gestalten, dass wir nur noch fort gehen können.
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