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Bildung versus Ausbildung – oder: Auf eigenen Beinen stehen.

Leitkommentar

Denken braucht Zeit. Doch Zeit… ist Mangelware geworden (Künstlerische Pause)

Ein kurzer Synapsenkollaps der Logik bringt mich auf eine seltsame Idee… ein rundum Sorglospacket der Bildung. Warum nicht genau so machen wie bei einem Einkauf beim Billa? Ein Studienplan mit… mal sehen – 30 dag Mathematik, 10 dag Wirtschaft und dann noch…  140 dag Fachwissen. Nicht zuviel, aber doch genug. Kaufbar. Eintauschbar. Und das dann noch in einer vorgegebenen Zeit mit Jobgarantie. Traumhaft! – He, da gibt es doch seit diesem… Bolgona Dingsbums sogar Fachbegriffe dafür, oder? Jajajaja… habs gleich – employability, ECTS – System und so. Klasse.

Bildung kann man nicht kaufen. Ausbildung? Vielleicht. Doch was ist denn nun Bildung, wenn es so schwer quantifizierbar ist. Wenn es nicht der Logik und den Gesetzen von Wirtschaft und Zahlenklauberei folgt? Und warum soll ich dann Bildung überhaupt wollen?

Anschauliches Beispiel (das sich auch auf andere Bereiche des Lebens, vor allem auf Studienpläne, umlegen lässt)
Prozessmanagement: Wenn man einen Prozess in seine Teilprozesse zerlegt und mit Kennzahlen versieht und so kontrolliert… mag das in einem geschützten, sehr genau definierten Bereich vielleicht sogar funktionieren. Stabilität und Robustheit dieses Systems? Fast gleich null. Zu steril. Die Statistik und somit die Unberechenbarkeit des Lebens haben diesem Ansatz einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Ganze ist nun doch mehr als seine Einzelteile.

Die Zerlegung des Prozesses und die Quantifizierung mögen kaufbar, „lernbar“ und somit auch wiederum quantifizierbar sein. Das große Ganze? Das System? Das beruht auf anderen Gesetzmäßigkeiten, die nicht so einfach über einen Kamm geschert werden können.

Bildung könnte hier plakativ als der „Klebstoff“ der einzelnen Bereiche des Prozesses gesehen werden. Fachwissen, das eingeflossen ist, Kennzahlen, die graphische Darstellung und die Steuerung, alles Verbunden mit etwas das vielleicht Bildung genannt werden kann. Reflektion mit Erfahrung, mit Meinungen anderer und der persönlichen Intuition. Last but not least – die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Dies kann nicht in Lehrveranstaltungen im herkömmlichen Sinne gelehrt werden. Ist auch nicht pure „Lebenserfahrung“, die mit der Zeit kommt. Es ist das Denken. Das Reflektieren und die Fähigkeit auch andere Meinungen und Fachbereiche nicht nur existenziell zu zu akzeptieren sondern zu integrieren. Das wiederum braucht die Fähgikeit aus seinem eigenen Denkmuster ausbrechen zu können und eine gehörige Portion Selbsterfahrung bzw. Charakterstärke.

Wo in unserer Gesellschaft soll zumindest die Grundlage für solch einen Lernprozess gegeben sein? Wo soll der Freiraum geschaffen werden, um sich holistisch zu entwickeln? Wo Fachwissen mit Toleranz und Reflektion gelehrt wird? Richtig. Auf Universitäten. Die haben sogar den verfassungsmäßigen Auftrag dafür. Nicht für Employability, sondern für Bildung. Grundlagenbildung. Fähigkeit zur eigenständigen Synthese von Wissen…. (wiederum künsterlische Pause)

Realitätsschock.

Wenn man die Ereignissse der letzten Monate an sich vorbeiziehen lässt, könnte man fast der Versuchung erliegen, sich alles kaufen zu können und auch zu müssen. Auch Bildung. „Super, dann nehm ich mir im Supermarkt der Bildung ein maßgeschneidertes Packet“ – so wird es uns vermittelt.

Denken braucht Zeit. Ebenso der oben beschriebene Prozess der Menschwerdung. Zeit wird uns nicht gegeben. Dafür fehlt das Geld. Dass man sich dabei genau die „Leisungsträger von morgen“, die eben die Fähigkeit haben das System auch monetär zu erhalten, wegnimmt sieht man nicht. Kürzung der Familienbeihilfe und Verkürzung des Studiums Hilfsausdrücke.

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Pröll: „Die jungen Leute auf den Universitäten müssen auch finanziell auf eigenen Beinen stehen!“ Noch weniger Zeit für die Universität.

Die Universiät ist vom Aussterben bedroht. Und die Gesellschaftsflüsterer (auch Politiker genannt) haben es längst geschafft, die Unis und die Studierenden als die Sündenböcke der Gesellschaft hinzustellen. Sogar die „Prozessmanager“ der Rektoren sind dem auf dem Leim gegangen.

Wo wollen wir hin? Denken, meine Lieben… Denken. Aber das braucht Zeit. Und Geld.

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